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Microadventure I - Die Altmark

Wie vieles im Leben, beginnt etwas mit einer spontanen Idee und endet im Abenteuer:

 

Geiles Wetter heute Abend - Ich schlafe draußen.

 

So ganz spontan ist das natürlich nicht, denn ich bin aus Berlin mit guter Vorbereitung in die Altmark gefahren. Ich habe mein neues Fahrrad samt Fahrradtasche, Hängematte, Schlafsack & Kopfkissen dabei. Das ist alles, was ich für mein persönliches Microadventure benötige.


Ich schnappe mir das Fahrrad, befestige mein Navi und die Fahrradtasche. Auf geht es! Mein erstes Ziel ist nicht weit entfernt und heißt Vielbaum. Ich will die Tour fahren, die ich bereits Männertag mit meiner Familie gefahren bin. Ich habe meine Kamera dabei und mache einen ersten Stop am Getreidefeld, wo ein Bauer mit Traktor auf mich zukommt, als ich ein Video mit meinem Smartphone mache. Das erste was er mir sagt

Die neue DSGVO hat auch die Altmark mittlerweile komplett erreicht und das bekomme ich verbal zu spüren. Natürlich weiß ich Bescheid und kläre ihn darüber auf, dass er nicht auf dem Video ist. Darüber hinaus kommen wir allgemein ins Gespräch über die Trockenheit, die schon seit Anfang Mai andauert, sowie die Präsenz der Landwirtschaft im Internet, gerade in der Altmark. Er fragt mich, ob ich eine Drohne zum filmen habe. Doch auf die Frage kann ich leider nur passen.

Ich bin keine zwei Kilometer gefahren und werde mit jemand "Fremden" in das erste Gespräch verwickelt. Eine coole & erhellende Pause für mich, da man in eine andere Arbeitswelt, abseits der Fotografie, schöne Einblicke erhält. Nach dem Gespräch mit dem Bauern aus Esack, schwinge ich mich aufs Rad und bewege mich geräuschlos gegen den Wind. Der ist das Einzige, was ich hören kann, wenn er an meinen Ohren vorbeipfeift. Nicht etwa, weil ich schnell unterwegs bin sondern, weil heute bis zu 40 km/h angesagt sind. Ich komme aber gut voran und die Sonne senkt sich immer weiter, bis sie den ersten Baumwipfel am Horizont streift. Zwischen Vielbaum & Krüden biege ich rechts in eine lange Straße hinein. Der Wind kommt nun von hinten und ich genieße es wie die Sonne seitlich durch die Blätter der Bäume scheint. Das tiefgelbe- bis orange Sonnenlicht wirft einen langen Schatten von mir und meinem Fahrrad. Herrlich.

Die Luft ist einfach toll und riecht leicht modrig vom Wasser, dessen Pegel immer weiter sinkt. Es riecht aber auch nach frisch, gedroschenem Getreide von den Feldern, was durch den Wind aus kilometerweiter Entfernung bis zu mir herüber getragen wird. Ich bin gerade noch so früh los, dass ich mein Halstuch nicht über Nase/Mund zu ziehen brauch. Gerade kurz vor der Dämmerung sind unzählig, viele Insekten in der Luft, die man beim fahren massenweise ins Gesicht bekommt. Das Rundhalstuch hält die Fluginsekten davon ab in meinem Mund zu landen. So hungrig bin ich dann doch nicht.

 

Kurz hinter der Brücke tauchen noch ein bis zwei Häuser auf, bis ich direkt danach links auf den Deich fahre. Hier grasen massenhaft Schafe & Ziegen, die Deiche ab. In naher Entfernung sehe ich von einem Traktor aufgewirbelte Erde. Wenn man es nicht wüsste, könnte man denken es brennt oder eine Windhose geht dort um. Es sind die einfachen Eindrücke, die alle zusammen ein schönes Erlebnis ausmachen (können).

Der Deich lässt sich relativ gut befahren (ACHTUNG! Nach 2-3km auf dem Deich befindet sich eine Baustelle, die man aber ein paar Meter vorher umfahren kann) und das Fahrrad rollt. Ich erreiche nach nur 25 Minuten Fahrzeit eine alte Eisenbahnbrücke, die hier damals genutzt wurde, aber nun sehr marode ist, so dass man diese nicht begehen sollte. Darunter fließt direkt der Aland. Die Brücke habe ich schon mehrmals mit Kajak passiert, wenngleich auch nur darunter. Selbst, wenn man denken mag, dass so eine Brücke nicht in die Landschaft passt und abgerissen werden sollte, so sehe ich das anders. Sie fügt sich mit ihrem grünem Lack farblich in die Landschaft ein und ist ein Stück Historie. 

 

Nach einer kurzen Pause fahre ich noch 500m und erreiche mein Ziel. Hier sehe ich zwei Bäume, wie sie perfekter nicht stehen könnten. Perfekt für meine Hängematte. Perfekt zum schlafen. Direkt gegenüber vom Deich befindet sich ein Anwesen. Auf dem Giebel ist kurze Zeit darauf ein Storch zu sehen. Ich nehme zuerst an, dass es sich um eine Figur als Verschönerung des Hauses handelt. Er ist aber echt. Mein Grinsen wird noch größer und ich genieße es weiterhin. Welch eine tolle Naturlandschaft hab ich hier direkt vor meinen Füßen, vor der redensartlichen Haustür. Ich bin sehr dankbar und präpariere meinen Schlafplatz, befestige die Hängematte, lege meinen Schlafsack aus, winde mich 3 Minuten lang hinein, bis ich gemütlich liege und sehe durch die Bäume hindurch den ersten, hellen Stern leuchten. Der Wind hat nachgelassen und so schwinde ich langsam hinüber von der einen Traumwelt in die Nächste. Gute Nacht :)

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