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Stockholm: Mittendrin

kellerluxus

Wir haben die Nacht super gut geschlafen. Wie soll es auch anders sein, wenn man nicht gerade vom Sonnenlicht geweckt wird, da man sein Zimmer im Kellergeschoss hat. Das Scandic Hotel hat das Zimmer dennoch wohnlich eingerichtet, so dass vor einer blanken Wand (wo in den Geschossen über der Erde eigentlich Fenster angebracht sind) eine lange Gardine hängt. Uns Beide stört das nicht. Hauptsache gute Betten und ein sauberes Bad. Höhepunkt ist die Fussbodenheizung darin. Sarah und Ich gehen ab wie Schmidts Katze, als wir es das erste Mal bemerken.

Mit dem rad durch Stockholm - Die grüne Alternative

Mir ist gestern, als wir zum Sushi gegangen sind aufgefallen wie toll die Wege für Fahrradfahrer/innen ausgebaut sind. Ich möchte fast meinen besser als in Kopenhagen, aber da Stockholm auch anders aufgebaut ist, trügt der Anschein sicher. Ich kann immer nur traurig grinsen, wenn ich dann Städte wie Berlin sehe, wo absolut wenig bis gar nichts gemacht wird, aber das ist auch ein anderes Thema.

 

Nachdem wir uns ausgiebig den Bauch am Frühstücksbuffet vollgeschlagen haben, holen wir uns in einem Supermarkt (7-Eleven) eine Karte für die Stockholm typischen City-Bike-Stationen. Zunächst füllen wir das Formular mehr oder weniger wahrheitsgemäß aus, denn sind wir ehrlich, niemand benötigt die korrekte Handynummer oder E-Mail-Adresse von mir. Ein Personalsausweis/ Reisepass ist dennoch zwingend notwendig (Stichwort: Diebstahl). 

 

Nach dem Prozedere erhalten wir jeweils eine Karte, mit der wir an den Stationen ein Fahrrad freischalten können. Nachteil ist hier wiederum, dass man das Fahrrad nicht stunden- oder tagesweise aushleihen kann. Man bezahlt mindestens 165 SEK, um eine 3-Tages-Karte zu erhalten. Es ist nicht viel Geld und es lohnt sich definitiv.

 

Das Prinzip des City-Bike-Systems ist super einfach. Man kann sich die App herunterladen um zu sehen, wo sich die Stationen befinden. Leider benötigten wir extra Google Maps, um unsere Position zu Orten und die Bike-Stationen manuell einzutragen, um dort hinzugelangen. Etwas umständlich, aber sicher machbar. In jedem Fall verbesserungswürdig.

 

Mehr Informationen zum Radverleih findet man auf dieser Website: https://www.stockholm-entdecken.de/stockholm-city-bikes-fahrraeder-ausleihen/

 

 

Gleich in der Nähe des 7-Eleven befindet sich solch eine Station. Man hält seine Karte an eine Lesegerätsäule, direkt neben dem Fahrradständer an und es wird eine Fahrradständernummer zugewiesen. Das Fahrrad ist jetzt freigegeben und man hebt es aus der Verankerung. 

 

Nicht alle Räder sind in der besten Verfassung. Mal funktioniert der Bremszug vorne nicht (zum Glück sind alle Fahrräder mit Rücktritt ausgestattet). Ein Fahrrad hat hinten einen Platten. Das Andere wiederum lässt sich am Sattel nicht verstellen. Der Verschleiß gehört dazu und ich kann (außer mit dem Platten) damit leben.

 

 

Wer nicht damit leben kann, stellt das Rad wieder in den Fahrradständer. Einfach einen freien Slot auswählen und warten bis die LED am Ständer von Grün auf Rot wechselt. Wenn genügend Bikes vorhanden sind, nimmt man seine Karte und probiert sein Glück ein neues Mal und bekommt dieses Mal im Normalfall eine anderes Fahrrad zugewiesen. 

Nah am wasser gebaut . . .

Wir fahren durch Hammerby Sjöstad, was in den letzten Jahren sehr im Kommen ist und modernisiert wurde. Damals noch ein heruntergekommendes Industriegebiet, ist hier ein nachhaltiges und umweltbewusstes Wohngebiet entstanden, dass sich vor anderen, schönen Vierteln in Stockholm nicht verstecken braucht. 

 

Generell fällt mir auf, wie vielfältig, wie groß die Stadt ist. Vieles liegt entweder direkt am Wasser oder ist nur ein paar Minuten davon entfernt. Da haben wir auf der einen Seite moderne Architektur (soweit ich mich darin als Nichtkenner auskenne) und auch Gamla Stan mit seinem historischen Stadtkern, der wirklich einer der schönsten ist, die ich je gesehen habe. So richtig besuchen wir Gamla Stan aber erst Morgen. 

 

Was für mich wieder ein Höhepunkt ist, ist das sogenannte Fotografiska in Stockholm. Das Fotografiska ist noch relativ neu, aber hat sich weltweit einen Namen gemacht und brauch sich vor anderen Ausstellungen wie in London oder New York nicht verstecken. 

 

Was hier auffällt ist die moderne und zeitgenössische Kunst (Contemporary Art). Das letzte Mal, als wir hier waren, hat mich wirklich alles in den Bann gezogen. Wenn man in Stockholm ist, dann unbedingt in das Fotografiska. Aktuelle Informationen über Ausstellungen könnt ihr hier sehen: Fotografiska

Stockholm = Abwechslungsreichtum

Immer wieder haben wir Rast gemacht und die Aussichten genossen. Das Wetter tut sein Bestes und wirklich windig ist es auch nicht. Ein perfekter Tag in Stockholm könnte man meinen. Nachdem wir am Fotografiska vorbei fahren, geht es in Richtung Gamla Stan, am königlichen Schloss vorbei.  

 

Was toll anzusehen ist, ist die Wachablösung, in der eine große Menge an Wachsoldaten zur Marschmusik durch die Straßen zieht. Keine hochernste Marschmusik wie die preußische Gloria, sondern irgendwie ein Stück warmherziger, wie Stockholm. 

Wir fühlen uns hier wirklich total wohl und ich kann Sarah nicht oft genug sagen, wie toll ich es hier finde. Wie abwechslungsreich die Stadt ist. Im Gegensatz zum Winter (wir waren ja das letzte Mal im März dort), sind es warme Temperaturen und wohl alle Stockholmer auf den Straßen, Wegen, Plätzen und in den Parks unterwegs.

 

Ich habe noch nie einen super gepflegten Fussballplatz direkt in einem Park gesehen, der von Felsformationen umgeben ist. Hier spielen wirklich alle zusammen. Gleich neben dem Tor gibt es einen Wasserbrunnen zum Durst stillen. Alles wirkt auf mich wie aus dem Bilderbuch und sehr harmonisch. 

 

Kreativ ohne graffiti

Die Stadt wirkt auf mich eventuell auch deswegen freundlicher, weil alles sauberer ist, als hier in Berlin. Man kann von Graffiti halten was man will. Ehrlich gesagt sind 90% immer irgendwelche Taggings und nur 10% sehen an den Wänden oder Objekten super aus. Berlin mag dadurch ja seinen Charme auf den Touristen haben. Aber dadurch, dass hier eh vieles versifft ist, macht es das nicht besser. In Brooklyn wiederum fand ich es wieder geil. Hier wird viel mehr Wert auf die Graffitikunst an sich gelegt. 

 

 

In Stockholm gibt es extra vorgefertigte Wände, die speziell für Graffitisprayer konstruiert sind.

Die Kult(o)ur & Kulturen

An dem Wochenende gibt es ein koreanischen Parkfest. Es sieht schon recht klischeehaft aus wie die Mädels da auf der Bühne performen. So wie man es halt aus den typischen Musikclips kennt. Schulmädchenuniform, poppige Beats und eine ausgereifte Performance. Da ist die Musik beiläufig. Das koreanische Essen an den jeweiligen Ständen riecht super lecker, aber es stehen extrem viele, hungrige Leute an den Ständen an. Ungelogen mehr als 50 Menschen stehen in einer Schlange.

 

Wir sind nicht wirklich hungrig, aber haben dennoch ordentlich Schmackes, wenn wir die Gerüche in uns sprichwörtlich aufsaugen. Wir holen uns traditionell was aus MAX, einer Burger-Kette, die m.M.n. die besten Burger macht (gleich nach Shake Shake in New York City). 

 

Frisch gestärkt geht es vom Kungsträdgarden Richtung Skeppsholen und Kastellholmen. Hier haben wir eine Pause auf den Felsen eingelegt und nur einer vieler schöner Aussichten genossen. Gegenüber von uns lag Gröna Lund, einem Freizeitpark von Tivoli, den man auch in Kopenhagen findet. Wir haben zu wenig Zeit, um in den Freizeitpark zu gehen, obwohl er mich schon gereizt hat. Hier gab es ab und an Konzerte auf dem Gelände, zum Beispiel vom Wu-Tang-Clan.

die besten Kardemummabullar Stockholms.

Ich will gar nicht weg von diesem schönen Fleck Erde, doch es gibt noch mehr zu sehen. Wir gehen hinunter zum Hafen von Skeppsholmen und spazieren dort entlang, vorbei am Moderna Museet. Von hier nehmen wir neue Fahrräder, die wieder für 3 Stunden freigeschaltet sind, und fahren den Strandvägen entlang, vorbei an der Deutsch-Schwedischen-Handelskammer bis zur Valhallabageriet. Sarah hatte einige Jahre bei der Handelskammer gearbeitet und war des Öfteren bei der süßen Bäckerei. Süß trifft es sehr genau, denn wir holen uns die besten Kardemummabullar Stockholms. Ich probiere was neues und gönne mir einen Chokladbollar. Eine Kugel reicht auch aus, denn das ist pure, komprimierte Masse, die dennoch super lecker ist. 

Gelebte Meinungsfreiheit

Wir machen in der Nähe der Handelskammer noch einen Stop bei der Gärdet, der großen Wiese, wo man im Sommer viel Platz zum liegen und chillen hat. Hygge halt. Wir fahren zum Hotel zurück und kommen kurz vorher an einer Demo vorbei. Die Straßen sind voll mit Polizei und Pferdestaffeln, die den Demonstationszug geleiten. Es bleibt ruhig und geordnet, doch ist es ein Erlebnis dabei zu sein. Ursache für die Demo sind die Wahlen, die in den kommenden Wochen in Schweden statt finden. 

Gamla Stan

Im Hotel gönnen wir uns eine kurze Pause und sind dann nach Gamla Stan, der wohl schönsten Altstadt Skandinaviens, die ich bis jetzt gesehen habe. Der Hunger kommt recht schnell und wir holen uns einen Hot Dog, um unsere Kraftreserven aufzutanken. In den Straßen von Gamla Stan wird der Tourismus groß geschrieben, denn obwohl wir uns hier im wohl ältestens Stadtteil der Stadt befinden, gibt es in fast jedem Geschäft Souvenirs. Das schmälert natürlich den Gesamteindruck, aber wenn man sich nicht darauf einlässt und nicht in jeden Laden hinein geht, so versprüht Gamla Stan mit seinen engen, verwinkelten Gassen extrem großen Charme und bietet einen krassen Gegensatz zur modernen Architektur Stockholms.

Es gibt einen bestimmten Grund, warum wir den gesamten Tag über kaum was zu uns genommen haben. Und nun endlich ist es soweit. Sarah führt mich zu dem wohl besten Koreaner in der Stadt namens Nam Kang. Sie empfiehlt mir schon vorab das Bibimbap. Nachdem ich beim durchforsten der Speisekarte kurz davor bin was anderes zu nehmen, sehe ich es beim Nachbarstisch und bestelle es auch. Ich kann euch nicht sagen, wie geil es schmeckt. Vorher noch in Angst, dass das Essen nicht reichen könnte, bin ich danach super satt und glücklich. Schon das zweite Mal, nach dem Sushi von gestern, wo ich sagen kann: Ich habe schon ewig nicht mehr so ein gutes Zeug gegessen! Dazu noch leckeres Bier aus Japan für mich und thailändisches Bier für Sarah. Wir hatten vorher andersrum bestellt und dann getauscht. Kann das japanische Bier wärmstens gekühlt empfehlen.

Thailändisch, Koreanisch, Japanisch & dem Himmel so nah

Draussen wird es kälter und die Sonne geht so langsam unter. Zum Ausklang des Tages gehen wir zur Rooftopbar Takpark by Urban Deli und genießen bei einem Bier den schönsten Rundumblick über Stockholm. Der Vollmond scheint zwischen den beiden Kungstornen hindurch und macht den Abend perfekt. Wir sind die Einzigen, die es nach draußen zieht. Die High-Society bevorzugt es bei den milden Temperaturen im Bar-Café zu sitzen. Musikbeschallung bekommen wir von der hauseigenen Djane. Zu chilligen Housebeats sehen wir Sterne immer mehr aufblitzen. Wir gehen zu unserem Hotel zurück, was nur 15 Minuten von der Bar entfernt liegt. 

 

Was ein Tag! Städteurlaub macht mir sonst keinen Spaß, weil man immer nie wirklich weiß, was man direkt machen soll/kann. Da Sarah Stockholm ihre zweite Heimat nennt, kennt sie natürlich vieles, wenn nicht sogar alles. Hinzu kommt, das wir sowohl mit Rad als auch zu Fuß unterwegs sind. Das ist wirklich ein wichtiges Krikerium, um Spaß bei der Stadterkundung zu haben. 

 

Morgen geht es weiter und unser letzter Tag bricht dann an. Ein Tag, den wir auch mit jeder Minute auskosten werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sarah (Dienstag, 11 September 2018 16:23)

    Stockholm ist einfach nur zum empfehlen! Also runter von der Couch und auf nach Stockholm!!