· 

Die Altmark - Meine Heimat

Heimat ist heutzutage ein Wort, was ein angestaubtes oder sogar negatives Image in der modernen Gesellschaft hat (Danke dafür an Söder & Seehofer). Dennoch ist Heimat für mich ein Ort an dem man aufgewachsen ist. Ein Ort, der einen geformt hat und zu dem gemacht hat, was man jetzt ist. Ein Ort, an den man gerne zurückkehrt oder wohlmöglich immer bleiben will.

DIE ALTMARK - DER GRÜNE FARBKLECKS AUF DER LANDKARTE

Oftmals werde ich gefragt, wo ich denn ursprünglich herkomme. Denn, obwohl ich mich größtenteils wie ein Berliner anhöre und jetzt auch dort wohne, bin ich woanders geboren und aufgewachsen. Ein Ort, den zumeist niemand kennt. Aus Seehausen in der wunderschönen Altmark. Wirklich alle Leute gucken dann immer verwirrend drein und fragen, wo denn Seehausen liegt. Man erweitert automatisch den Kreis und kontert mit Städten wie Stendal oder Wittenberge. Viele können mit Stendal kaum etwas anfangen, dafür aber umso mehr mit Wittenberge. Man sei dort mit der Bahn durchgefahren. Wenn dann die Leute immer noch Bahnhof verstehen, sage ich ihnen einfach:

Ein mehr oder minder verständnisvolles Nicken kommt dann und das Gespächsthema ist vorbei. Doch obwohl Seehausen & generell die Altmark etwas unbedeutend und unbeholfen daher kommt, ist sie mit das schönste was Deutschland von der Natur zu bieten hat. Breite Elbwiesen, noch mehr Wälder und Agrarflächen, kleine Dörfer & ganz viele sympathische Menschen, die Alles & Jeden kennen.

Wo man sich in Großstädten wie in Berlin darüber beschwert, dass der Nachbar das 3. Mal in vier Wochen grillt oder der Veganer Brechreiz vom Geruch von gebratenem Wiesenhofer Fleisch aus der Nachbarswohnung bekommt, läuft es auf dem Lande etwas anders ab. Hier fahren die Bauern ihre Gülle aus und eine ganze Stadt wird in einen Geruchskessel von Schweinescheiße eingehüllt. Der Nachbar verbrennt gefühlt jeden zweiten Tag Gummireifen und/oder anderes unbrennbares Material. Gerade dann, wenn man seine frisch gewaschene Wäsche hinausgehangen hat. Dabei kommt es einem vor, dass das Feuer absichtlich vor sich hin lodern soll, so dass genügend Qualm für alle da ist. Fängt es fast an zu brennen, wird frisches, nasses Laub nachgelegt.

In der Stadt hört man Nachts die Besoffenen die Gehwege halb vollkotzen oder sie pöbeln mit sich selbst. Hier auf dem Lande schreien die Katzen wie kreischende Babies und das Hundegebell läuft wie ein vom Wind angefachtes Feuer herum. Wenn alle Hunde zugange sind, haben die kreischenden Katzen schon längst ihren Koitus vollführt und schlafen in Seelenruhe. Man selber kriegt die Augen nicht mehr zu.

(Gross)stadtleben

Der Nachbar liegt seit 6 Monaten unbemerkt tot in der Wohnung.

03:00 Uhr: Lass mal noch wad ausm Späti besorgen

Wollen wir mit der TRAM, S-Bahn, mitm Bus oder Taxi nach Hause?

Tinder, iLove, ElitePartner

Beste Freundin wohnt 2 Straßen weiter - Seit 6 Monaten nicht gesehen

Shoppingmalls wo das Auge hinschaut

Geleaster Mercedes CLS AMG 6.3 auf brennendem  Asphalt.

Hier stinkts nach Pisse & altem Schweiß!

Ohne Licht  am Fahrrad an der Polizei vorbei und abgegrüßt

Kleider machen Leute

Lass mal was bei Lieferando bestellen

Guck mal, der Mond! Wow!

Alles Hipster.

Hier riechts nach Graaaaas.

Feinstaub

10m² Balkonien

Dorfleben

Oma Rittmer kennt alle Geschichten von wirklich jeder Person im Dorf.

19:50 Uhr: Mach Lack, der Penny macht gleich zu!

Hast du noch nen Platz im Auto? Kriegst auch Spritgeld.

Ey, die da hat es schon mit Jedem ausm Dorf getrieben.

Jedes Wochenende Mädelsabend mit den Besten

80% der Typen tragen Jack & Jones 

Tiefergelegter 3er Golf auf Feldsteinwegen.

Hier stinkts nach Schweinescheisse!

Das macht 25€ Frau Lunkwitz

Leute machen Sachen

Wir haben noch Stulle & n' bisschen Wurst im Kühlschrank

Ich kann den Saturn mit bloßem Auge erkennen. Mal wieder.

Alles Spießer.

Hier riechts nach Gras.

Pollen

10.000m² Wiese mit Gartenbeet & Apfelbäumen


Ich komme immer wieder gerne hierher. Gerade im Sommer, wenn man direkt am Fluss, dem Aland, sitzen und die Gerüche der Blüten wahrnehmen kann. Dann, wenn die Sonne untergeht, ist es noch eine Weile angenehm warm, der Wind ist weg und die aufkommende, kühle Luft umströmt langsam die nackten Beine. Die Mücken schwirren um einen herum und der modrige Geruch vom feuchten Flussbett steigt empor. Ich merke es immer wieder, wie meine Sinne deutlich mehr angesprochen werden als in Berlin. Auf dem Lande sind es die Sinne und in der Stadt die Reize. Eines von beiden ist deutlich angenehmer. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Dennis (Mittwoch, 09 Mai 2018 16:12)

    Spitze Fiu genauso ist es hier in klein Seehausen , ich liebe es .....

  • #2

    Jens (Mittwoch, 09 Mai 2018 21:36)

    Seehausen ist eine große Stadt, sagen wir Werbener . . . Michael Du hast das sehr gut und mit Gefühl beschrieben. Danke dafür . . . � � �

  • #3

    Saskia (Donnerstag, 10 Mai 2018 08:34)

    Den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Mit klaren Worten ! Herrlich !
    Liebe Grüße
    Saskia

  • #4

    Cindy Köpf (Donnerstag, 10 Mai 2018 18:51)

    Ich komme aus Arneburg und du sprichst mir so was von aus dem Herzen. Heute lebe ich in Rheinland-Pfalz, zwar auch auf dem Land, aber es ist nicht das selbe. Die Altmark, genau so, wie Du sie beschrieben hast, fehlt mir so sehr. Wie meine Oma schon immer sagte: " Heimweh ist schlimmer als Durst. "
    Vielen Dank für deinen Eintrag ☺