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Heiraten im Urlaub

Hochzeit und Urlaub brauchen sich nicht kategorisch ausschließen.

 

Für die meisten Paare ist die Zeit vor dem eigentlichen Hochzeitstag mit sehr viel Planungsstress verbunden, wenn sie nicht gerade eine/n Weddingplaner/in zur Hand haben. Oftmals ändert sich etwas in der letzten Minute und der Frust ist vorprogrammiert. Die Hochzeit wird vielleicht zu verkrampft und nicht so, wie man es sich eigentlich vorgestellt hat. Schließlich heiratet man doch, weil man seinen Partner liebt und das feierlich zelebriert und nicht deswegen, weil man ein/e staatlich geprüfte/r Event-Manager/in werden will.  

Woran denken wir als Erstes, wenn wir im Urlaub sind? Richtig! An Erholung, Sonne, Strand & Meer. Wir lassen die Seele baumeln und erholen uns bei frischer Meeresbrise, trinken genüsslich Wein bei Meeresrauschen in der Ferne. Wir spüren die letzten warmen Windzüge an unseren Wangen, nachdem die Sonne untergegangen ist. Ein wahrer Traum für jeden Urlaub. Doch kann man an so einem Urlaubsort auch heiraten? Ja! Sagten sich Katja & Lars auf Hiddensee in jeglicher Hinsicht.

 

Seit mehreren Jahren sind sie hier auf der verkehrsberuhigten Insel. Tatsächlich dürfen hier keine Autos fahren. Nur das Nötigste wie Feuerwehr, Polizei und wichtige Dienstleister (Elektriker, etc.). Alles andere ist strikt verboten. Man kommt auch nur mit Fähre oder Wassertaxi (Weiße Flotte) nach Hiddensee.

 

Erlaubt sind die eigenen Beine, Fahrräder und Pferdekutschen. Selbst mit Rollstuhl ist es toll dort, weil alles flach und viele Wege schlicht asphaltiert sind. Und sind wir ganz ehrlich zu uns selbst: Wer braucht bei einer Insellänge von 17km ein Auto? Wir nutzten auf jeden Fall alles, was zur Verfügung stand.

Mit diesen Worten in unserem Skype-Vorgespräch war ich natürlich umso glücklicher, denn somit hatten Sarah & Ich genauso Urlaub wie die Beiden. Wir fuhren am Dienstag mit der Bahn und den Fahrrädern Richtung Stralsund und nahmen die Fähre nach Vitte auf Hiddensee. Hier wurden wir sofort herzlichst von Katja, Lars*, deren Eltern und den Lütten empfangen. Ehrlich gesagt waren wir von so viel Freundlichkeit etwas verwirrt (positiv), als würde man schon ab der ersten Sekunde zur Familie gehören. Kaum von der Fähre herunter, kam das Wasser wie aus Eimern vom Himmel herunter. Schnell unter einem Baum und die Regenjacke an, da hörte es dann schon auf. Es sollte der letzte Regenschauer für die kommenden Tage sein. Mit einer geschenkten Flasche Wein fuhren wir 300m zu unserer Unterkunft. Ich war auch froh nach 5 Stunden Fahrt von Berlin endlich da zu sein, denn ich war seit 2 Tagen leicht verschnupft.

 

*Info: Lars hatte sich auf Hiddensee am Bein einen Bruch zugezogen. Durch Übermut und Beinen auf dem Fahrradlenker zeigt sich wieder das Prinzip der Hybris: Hochmut kommt vor dem Fall.

 

Alles Gute nochmal Lars! <3

Alle waren super entspannt als wir am folgenden Tag bei dem idyllischen Ferienhaus ankamen. Klar, denn alle sind schon seit knapp 2 Wochen auf Hiddensee. Da kann man nur entspannt sein. Eine völlig komische Situation, wenn man sonst in die eher hektischen Hochzeiten kommt, wo alles nach minutiöser Taktung vonstatten geht. Selbst diese Hochzeiten sind an sich nicht mal stressig für mich, aber wenn man dann den direkten Vergleich hat, merkt man den Unterschied dann doch.

 

Die Eltern von Katja fuhren Lars mit einer Rikscha zum Standesamt im Asta-Nielsen-Haus namens Karusel, was auch nur 2km von der Unterkunft entfernt lag. 300m davor bemerkte Katja den nicht vorhandenen Brautstrauss. Relativ zügig ging es wieder zurück, aber da es alles keine Entfernungen sind, kam auch kein Stress auf oder Katja hat ihn sich einfach nicht in ihrer Gelassenheit anmerken lassen.

Die Trauung war genauso ruhig und still wie man es erwartet hatte. Einfach toll! Nach der Trauung wurden wir allesamt mit der Kutsche abgeholt und fuhren zum Wieseneck. Es gab lecker Rollmops mit Pellkartoffeln. Davor eine Kutschersuppe, die auch super lecker war. Die Beiden waren sooo entspannt, dass Sarah und Ich vor dem Essen freilauf hatten und uns für eine Stunde Richtung Küste aufmachten. Einfach unglaublich diese Gelassenheit. 

Nach dem Essen ging es zurück mit der Kutsche nach Vitte. Dort war dann wieder ... PAUSE! Mittagspause, um es genauer zu sagen. Bis zum Kaffee & Kuchen sollte es noch 90 Minuten brauchen. Lars & Katja meinten dann zu uns, dass wir gerne noch mit dem Fahrrad die Insel erkunden könnten. Wir hätte die Möglichkeit Richtung Süden zu fahren und den "kleinen" Leuchtturm zu sehen oder Richtung Norden, um zur Steilküste zu kommen. Der höchste Punkt auf Hiddensee befindet sich auf ungefähr 72m Höhe. Nicht schlecht für eine Insel, bei der alles ansonsten komplett flach ist. Das mit der Möglichkeit haben wir uns nicht dreimal sagen lassen und haben uns die Fahrräder geschnappt und sind los. Nach 200m waren wir schon auf dem Deich. Wir fuhren zwischen Festland und Meer. Einfach schön und selbst ich war schon mit dem 3. Gang an meinem Fahrrad zufrieden. Kein Gehetze, kein Stress. Einfach herunterkommen.

Kaffee & Kuchen. Alles war super lecker! Danach fuhren wir hinunter zum Strand und machten dort noch einige Fotos. Die beiden hatten sich damit arrangiert, dass Lars mit seinem Bein verhindert war, ärgerten sich aber auch nicht darüber. Klar, hätte man auch fototechnisch noch viel mehr machen können, aber sie wollten es auch gar nicht. Am Mittagstisch sagte Lars in seiner Rede, dass sie ...

Als Fotograf denkt man sich dann schon: Macht man wirklich genug Fotos? Sie bezahlen mich doch nach Zeit. Warum schicken sie mich einfach los zum Fahrradfahren? Ich bin hier eigentlich nur am urlauben und essen, ist das ihr ernst? 

 

Am Ende des Tages waren dann doch 900 Fotos auf der Speicherkarte. Also numerisch war es business as usual. Und ich sehe es im nachhinein immer wieder. Ich stresse mich immer ab so viele Fotos wie möglich zu haben und erkenne dann, dass Qualität halt besser als Quantität ist. Man hat auf den Bildern genau die Stimmung von der Hochzeit eingefangen, wie sie auch tatsächlich war. 

 

 

Dennoch bestand ich noch auf ein Paarshooting, denn wenn ich schon mal hier bin, wollte ich auch gescheite Bilder haben. Auch im Sinne der Beiden, die ja nur einige Bilder von sich am Karusel hatten. Nachdem wir dieses Mal getrennt Abendbrot gegessen hatten, weil für mich dort ja schon offiziell Schluss war, fragte mich Katja noch mal, ob wir noch fix Bilder machen könnten. Sarah und ich spielten gerade Mau-Mau (Kartenspiel) am Strand und wir beide machten uns sofort auf, um eine Distanz von 800m mit dem Rad zurück zu legen. Wir machten beim Sonnenuntergang Bilder am Strand und setzten Kirsche auf das Bildersahnehäufchen. 

Wer also mit seinen Engsten zusammen sein will, um sich das JA-Wort zu sagen, bietet eine Hochzeit wie bei Katja & Lars wohl die besten Grundvoraussetzungen für eine traumhafte Hochzeit ohne Zwang und Stress. Vorrausgesetzt am Körper bleibt bis dahin alles heile. Aber wie man sehen kann, geht es auch so. Danke für die tolle Zeit auf Hiddensee Katja & Lars. Sarah & Ich wünschen euch ganz viel Liebe auf eurem Lebensweg zu Zweit.

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