· 

6. Etappe - Singi nach Kebnekaise

SINGI - KEBNEKAISE ( 14KM / 4-5H )

 

Streckenprofil: angenehmes rauf und runter
Übernachtung: in der Kebnekaise-Hütte und 4km dahinter im Zelt 

Preis: 200€ für zwei Personen im Doppelstockbettzimmer auf 10m²
Hütte: Kebnekaise - eine riesige Hütte mit allem. Souvenirshop, Cafe, Restaurant, Sauna, Duschen, Kochmöglichkeiten, Helikopterplatz, WiFi und vielen Touristen
Wetter: kurzzeitig blauer Himmel, danach mittel- bis starke Bewölkung, leichter Regen zwischendurch, weitesgehend trocken, leichter bis mäßiger  Wind
Fauna: heute nicht vorhanden
Flora: herbstlich, mit seinen schönsten Farben
Wanderer: an der Kebnekaise-Station nicht zu viele, aber genug
Temperatur: um die 8-10° Grad
Essen: Kaffee, Tee, Pudding, Vegane,- Vegetarische Küche, Hausmannskost, alles was das Her bzw. der Magen begehrt.


Ich habe nicht gedacht, dass ich nach meiner Teenie-Zeit solange schlafen kann. Wir wachen in der Dämmerung auf. Ich stecke hin und wieder meinen Kopf durch eine kleine Öffnung des Zeltes, um das Wetter zu checken. Durch den Pass ziehen schwere Wolken direkt über uns hinweg. Von hier aus kann man normalerweise den Kebnekaise, Schwedens höchsten Berg (1.099m) sehen. Für Sekunden tritt ein Berggipfel aus den Wolken heraus & ich mache, in der Hoffnung es sei der Kebnekaise, ein paar Fotos. Wir packen unsere Isomatten, Schlafsäcke & die anderen Sachen weitesgehend im Zelt zusammen. Der Boden ist außerhalb des Zeltes zu nass, um es dort zu tun. Mein Rucksack ist durch den Verzehr von Trockennahrung leerer & vier Kilogramm leichter geworden. Ich komme jeden Tag leichtfüßiger & schneller voran. Wir putzen uns die Zähne und machen uns abmarschbereit.

Wir liegen gut in der Zeit und merken, dass wir uns mit 9 Tagen etwas verkalkuliert haben. Heute ist der siebte Tag & wir haben viel Zeit, um entspannt weiter wandern zu können. Anfänglich zieht sich der Weg bis zur Kebnekaise-Station, bis wir auf ein entgegenkommendes Wanderpaar treffen. Im Gespräch zeigen sie uns in der Ferne einen Mast, der unnatürlich aus der Umgebung hervor ragt. Da soll sich die Station befinden. Wir haben den Funkmast vorher nicht wahrgenommen, da wir die meiste Zeit auf den Boden schauen. Die Augen sind meistens nach unten gerichtet, weil der Weg an vielen Stellen anspruchsvoll ist. Viele Pfade sind überschwemmt, dass durch andere Wanderer viele neue Nebenpfade entstanden sind. Wir kommen an einen breites Flussdelta und suchen flussauf- und abwärts eine passende Überquerungsmöglichkeit. Nach ergiebigen Regenfällen ist die Suche danach schwierig geworden, denn die Flüsse sind über die Läufe getreten und haben sich um das zwei- bis dreifache verbreitert. Manchmal schmeiße ich Sarah ein paar große Steine ins Flussbett, damit sie, aufgrund ihres kürzeres Schrittabstandes, den Fluss besser überqueren kann. Ihre Füße bleiben den gesamten Kungsledenabschnitt über trocken, weil sie gute Schuhe trägt. Meine Schuhe nässen mit der Zeit durch. Die dicke Schicht aus 3-facher Imprägnierung mit Wachs und Öl ist in den letzten Tagen komplett verschlissen. Wasser dringt langsam in die Schuhe ein & meine Socken saugen sich mit Wasser voll. Meine Füße bleiben durch die Bewegung warm. Wir schaffen es die Passage einigermaßen schnell zu meistern und erreichen wenige Minuten später die Fjällstation am Kebnekaise.

Mit nassen & trockenen Füßen kommen wir hungrig an. Wir wollen eine letzte Nacht auf dem Kungsleden in einer Hütte verbringen. Sarah erklärt sich bereit dafür zu bezahlen. Ich gucke nicht schlecht, als ich den Preis von über 200€ für ein 10m² -Zimmer sehe. Dabei schaue ich Sarah an der Rezeption an und frage sie, ob sie das wirklich will. Ein paar Minuten später öffnen wir mit der Zimmerkarte die Tür zu unser privaten Luxus-Suite, bestehend aus einem Doppelstockbett & einem Wandschrank. Die Wasch- und Duschräume befinden sich seperat am Flurgang. Purer Kommerz wie ich finde. In unserem Haus gibt es einen modernen Trockenraum, in dem ich das Zelt ausbreite und die Schuhe auf die Warmluftröhren stecke. Wir nehmen uns eine warme Dusche, liegen entspannt unter der kuscheligen Bettdecke, schreiben unseren Eltern und Freunden. Es gibt schließlich kostenloses Wi-Fi. Ausgeruht stärken wir uns mit leckerem Essen im Restaurant. Wir schlagen uns die Bäuche so voll, dass wir die Hosenknöpfe öffnen, um weiter atmen zu können. Am Fenster sehen wir wie alle halbe Stunde ein Helikopter mit Tagestouristen landet. Teilweise bringt er nur das Gepäck und wirft es ab. Ein komisches Gefühl kommt, wenn man sieht, wie die Leute mit Sneakers aus dem Hubschrauber steigen & man vorhin mit schweren Wanderschuhen durchs Fjäll gestiefelt ist. Wir werden heute nicht alt und gehen früh in unsere Betten. Ich liege mit der besten Aussicht oben.

Der neue Tag ist erwacht und wir mit ihm. Nicht weit von unserer Unterkunft stehen mindestens 20 Wanderer, die auf ihren Wanderführer und den Marschbefehl warten. Mir kommt es sichtlich spät vor, da es schon um Zehn Uhr ist. Laut Wikipedia beträgt der Wanderweg zum Berg hin und zurück knapp 20km. Um auf den Kebnekaise zu steigen überwindet man zusätzlich 1.800 Höhenmeter. Da kommt man doch niemals im Hellen zurück. Unseren Plan für den heutigen Tag haben wir gestern Abend geschmiedet. Auf der Wanderkarte ist eine Eishöhle, nicht unweit unserer Fjällstation, eingezeichnet. Die Mitarbeiter an der Rezeption haben uns bestätigt, dass sie da ist. Sie konnten uns aber nicht versichern, ob die Eishöhle auch begehbar ist. Wir sind dennoch hochmotiviert und machen uns bei bestem Wetter in Richtung Tarfala auf.

Der Weg dorthin bietet eine der schönsten Aussichten, die der gesamte Kungsleden-Abschnitt zu bieten hat. Nachdem wir die erste Brücke überquert haben, gehen wir nicht geradeaus weiter, sondern biegen nach links Richtung Tarfala ab. Wir sind auf dem offiziellen Wanderweg, sind aber gezwungen von Stein zu Stein, von Fels zu Fels zu springen, weil alles unter Wasser gesetzt ist. Zu beiden Seiten ragen die Bergketten empor. Zu unserer Linken rauscht lautstark ein Fluss das Tal hinab. Auf einem Felsen gerate ich plötzlich ins straucheln, stürze & fange mich ab, so dass ich nur einen kleinen, blauen Fleck am Schienbein nachtrage. Der Ärger über meine Unkonzentriertheit geht so schnell wie er gekommen ist. Unerwartet kommen uns die Belgier Elroy & Arjen mit einer schlechten Nachricht entgegen. Sie wollten ursprünglich, wie wir, zu der Eishöhle. Sie berichten uns, dass die Höhle vor nicht allzu langer Zeit zusammengestürzt ist. Ich finde das ziemlich krass; ist die Höhle doch auf der Wanderkarte eingezeichnet. Sie hat demzufolge schon seit Ewigkeiten existiert haben müssen. Eine Folge des Klimawandels? Wir vermuten es. Die Beiden empfehlen uns weiter zur Hütte nach Tarfala zu wandern, da es dort einen Gletschersee gibt. Der Gletscher selbst ist nicht groß, wirkt aber imposant in der Landschaft, beschreiben Elroy & Arjen. Wir machen eine kurze Rast und entschließen umzukehren. Der Weg dorthin soll mit viel unwegigem Geröll durchzogen sein. Wir wandern bis zur Brücke zurück und gehen in Richtung Nikkaluokta weiter. Nach einer Stunde Wanderung sehe ich einen Zeltplatz vor mir wie er im Buche steht. Es ist erst 16 Uhr, aber ich will hier bleiben. Wir verbingen die Nacht hier. Der Traum in so einer Umgebung schlafen zu dürfen wird wahr. Die Sonne wirft einen imposanten Strahl durch die Berge hindurch auf das Wolkenfeld. Wir haben soetwas noch nie erlebt. Es ist hier einfach perfekt. Wir liegen noch eine Weile so da und genießen den Ausblick, bis wir uns in unsere Schlafsäcke zurück ziehen. Ich gebe Sarah heute meinen Schlafsack. Sie gibt zu, dass sie die letzten Nächte wegen frierens nicht richtig schlafen konnte.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0