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2. Etappe - Abiskojaure nach Alesjaure

ABISKOJAURE - ALESJAURE ( 22KM / 7-8H )


Streckenprofil: angenehem aber von der Distanz her anstrengend
Übernachtung: Mehrbettzimmer mit 2 Doppelstockbetten

(Für 2 Personen SEK 700 als STF Mitglied)
Hütte: Alesjaure mit Sauna & kleinem Shop
Wetter: etwas Regen / sehr windig in der Höhe / Sonne am See
Fauna: Bergdohlen & ein Hund namens Bruno (Wir nennen ihn/sie so)
Flora: Birken, in der Höhe etwas karger
Temperatur: geschätzte 3-9° Grad
Highlight: Sauna mit Abkühlung im eiskalten Fluss bei Sonnenuntergang,

wofür manüber eine steile Holztreppe nach unten klettern muss
Empfehlung: Bei gutem Wetter in den Morgenstunden sieht man die massiven Wolken über die Berge fließen und das bei wundervollem Licht
Abkürzung: Optional kann ein Boot für die letzten fünf Kilometer bestellt werden (SEK 300).


Die letzte Nacht war sehr windig. Da unser Zelt auf offenem Gelände befestigt ist, peitschen heftige Böen mit 70 km/h extrem viel Sand & Dreck hinein. Wir essen das erste Mal unser eigens zusammengestelltes Müsli und stellen zähneknirschend fest, dass es nicht so unser Ding ist. Zu viele Haferflocken, zu wenig Schokolade oder anderes crunchiges Zeug. Die Wolken wechseln sich mit der Sonne ab. Links und Rechts von uns erheben sich sanft die Berge aus der Ebene und wir merken, dass wir dem Fjäll immer näher rücken. Waren gestern noch Bäume um uns herum, sehen wir diese immer weniger auf der Strecke. Man kommt sich verlassen vor. Wären da nicht unsere Weggefährten, die wir immer wieder auf der Strecke antreffen. Seien es zwei Belgier, die wir auf der gesamten Strecke wenigstens 6 Mal verabschieden und es nie der letzte Abschied wird. Drei ältere Damen aus Finnland, die gemeinsam durch die wilde Natur, das raure Klima Skandinaviens wandern und uns zum Schluss der Reise mit ihren persönlichen Geschichten überraschen.

 

Als wir die erste Anhöhe überqueren, sehen wir die dunklen Wolken am Horizont. Die ersten Tropfen berühren unsere Funktionssachen. Der Wassersturz lässt nicht lange auf sich warten. Der Wind macht es nicht angenehmer, da er das Wasser durch die Hosen drückt. Sarah hat  weniger Glück, da sie nur eine regenfeste Hose anhat. Sie ist nach wenigen Sekunden durchgeweicht. Wir können uns keine Pause leisten, da man sich nirgends unterstellen kann. Die Devise lautet: Marsch, Marsch! Der Weg ist mit groben Steinen und Felsen durchsetzt. Es fällt schwer die Augen auf die Landschaft zu richten, da man sich auf jeden Tritt konzentiert. Auch wenn uns das Wetter nicht gesonnen ist, reicht mir jede Sekunde, die ich an Zeit übrig habe. Ich bleibe kurz stehen, um mich umzuschauen und alles soweit es mir möglich erscheint, zu realisieren.  

Wir kommen an die erste von zwei Bootsanlegestellen an. Hier kann man seinen Weg mit etwas Geld verkürzen. Man hisst entweder die Fahne oder nimmt das Walkie-Talkie-Gerät in die Hand, um den/der Bootsfahrer/in zu kontaktieren. Mir fällt auf, dass am Mast keine Fahne angebracht ist.  Somit ist kein Signal machbar. Sarah sagt mir daraufhin, dass man mindestens 6 Leute für die Überfahrt benötigt. Wir setzen uns in einen Unterstand, der zu einer Seite offen ist. Der Wind kommt aus ungünstiger Richtung und weht frontal hinein.  Der Regen setzt hin & wieder aus, aber es will einfach nicht besser werden. Nach einer 30-minütigen Pause mit etwas Tee & heißer Schokolade, setzen wir unsere Reise weiter fort. Sarah zittert am ganzen Leib. Ihre Sachen sind komplett durchnässt. Ich gebe ihr meine Hose, die zwar nicht  wasserdicht ist, aber zumindest für eine Weile die Beine trocken hält. Es dauert noch quälende zwei Stunden, bis wir die erste bewirtschaftete STF-Hütte in Alesjaure erreichen. Wir nehmen uns ein Zimmer & eine Mitgliedschaft beim STF. Als Mitglied bekommt man alles vergünstigt. Ab zwei Nächten hat man das Geld wieder drin. Wir haben ein Zimmer mit zwei Doppelstockbetten bekommen. Das haben wir für uns alleine. Wir machen uns auf zum Kiosk, decken uns mit Schokolade und Cabanossi ein, ziehen unsere nassen Sachen aus und hängen alles im Trockenraum auf. Draußen regnet es noch immer und der Wind schleudert die Tropfen lautstark gegen die Hüttenwände.

Man kann hart sein wie man will und jede Nacht bei 6 Grad und Regen draußen schlafen. Es ist unser Urlaub und selbst, wenn eine Nacht verhältnismäßig teuer ist, so hat man ein bequemes, sauberes Bett, trockene Sachen und das Beste, eine Sauna, die man kostenfrei nutzen kann. Die nutze ich mehrmals am Abend. Die Sauna befindet sich direkt am eiskalten Fluss, der 100m von der Sauna entfernt ist. Ich gehe zuerst in die Sauna & mach ein paar Aufgüsse. Ich bewege mich so schnell wie möglich zum Fluss. Ich bin barfuß und es ist abschüssig und rutschig. Der Fluss ist knietief. Mit aller innerer Überzeugungskraft springe ich nackt bei 4°C Wassertemperatur hinein . Ich fühle mich, wie immer nach all den Saunagängen, wie frisch geboren und sauwohl. Es steht jedem frei sich an der Versorgung der STF Hütten zu beteiligen. Man kann helfen Holz zu zersägen und mit der Axt zu spalten. Man bezahlt zwar sein Geld, ist aber dennoch für den Holznachschub für die Hüttenöfen oder Saunen verantwortlich. So ist das Leben nun einmal in SkandinavienIn den allen Hütten liegen Wettervorhersagen aus, die alle paar Stunden aktualisiert werden. Diese sagen uns für die nächsten Tage nichts Gutes voraus. Es wird die nächsten 2-3 Tage mit 17-21 m/s weiter stürmisch bleiben. Vom Regen will ich erst gar nicht reden. Bis zu 23 Liter an einem Tag und 17L an dem Anderen. Keine rosigen Aussichten für die weiteren Wandertage. Summa Sumarum wird uns der Regen insgesamt 450€ an drei Übernachtung kosten. Aber das ist es in meinen Augen auch immer noch Wert gewesen. . 

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