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3. Etappe - Alesjaure nach Tjäktja

ALESJAURE - TJÄKTJA ( 13KM / 4-5H )

 

Streckenprofil: angenehem - vom Wetter her anstrengend
Übernachtung: im Tal 5km nach der Tjäktjahütte nach Überquerung

der höchsten Stelle des Kungsleden (1150m)
Hütte: Tjäktja mit Trockenraum (keine Sauna & kein Shop)
Wetter: Regen / sehr windig / Schneefall
Fauna: die erste Rentierfamilie vor der Tjäktjahütte gesichtet
Flora: nicht viel - oberhalb der Baumgrenze
Wanderer: nicht viele
Temperatur: gefühlte 0 - 10°C Grad


Wir haben sichtlich gut geschlafen und wachen frühs gegen 06:30 Uhr auf. Das Wetter ist besser geworden. Lediglich schwere Wolkenfetzen ziehen über die Landschaft. Wie ein Raumschiff aus Zuckerwatte umhüllen Sie den größten Berg vor unserer Hütte. Ich mache Fotos und Videos so viel ich kann, um danach minutenlang aus dem Bett diesem Schauspiel zuzuschauen. Im Doppelstockbett habe ich gegenüber Sarah den großen Vorteil aus dem Fenster schauen zu können. So nehme ich mein Kissen, lege es unter den Kopf und sage minutenlang gar nichts. Ich genieße diese Augenblicke der inneren Ruhe & Zufriedenheit. Selbst am zweiten Tag unserer Reise realisiere ich noch immer nicht wirklich, dass das hier real ist. Ich habe das Gefühl mich von Anfang an im Flow-Zustand zu befinden. Die Dinge, wie sie kommen und gehen, auf mich einwirken zu lassen und mich ganz ihrer hinzugeben. Wir gehören zu der Landschaft wie die Birken, Gräser, Flechten, Rentiere und  Bergdohlen. Alles ein Zusammenspiel von Flora & Fauna, die auf gegenseitige Wechselwirkung und -beziehung zueinander ausgerichtet ist. 

 

Wir verlassen Alesjaure & Bernadiner Bruno. Viele Wanderer tun es uns nach dem Frühstück gleich. Das heutige Etappenziel ist Tjäktja und liegt in den Bergen, kurz vor dem höchsten Punkt (1.150m ü.N.N) des offiziellen Kungsleden. Es regnet jetzt schlimmer als am Tag zuvor. Der Wind peitscht uns erbarmungslos ins Gesicht. Die Regentropfen bilden eine Reihe an der Kapuze und warten darauf von mir abgeschüttelt zu werden. Unter mir bilden sich kleine Rinnsäle, die mit der Zeit größer werden. An einigen Passagen sind auch die für den Kungsleden typischen Holzplanken unter Wasser gesetzt. Nägel oder Bretter fehlen teils komplett, so dass letztlich der Befestigungsbalken vorhanden ist. Ein Balanceakt, wenn man keine Wanderstöcker hat. Diese erweisen sich sich auf dem gesamten Weg als sehr nützlich. Man kommt deutlich schneller voran, kann sicher Flüsse & schwierige Passagen über- bzw. durchqueren. Wir kommen motiviert voran und erreichen bei Sturm & Regen die Hütte in Tjäktja. Auf dem Weg dahin zählen wir 30 Rentiere! Sie sind direkt neben uns unterwegs, bis sie dem Flusslauf weiterfolgen. Wir nehmen den Berg vor uns in Angriff. Das Wasser kommt von allen Seiten. Schwitzen & Regen sind keine gute Kombination. Dann gibt es eine Pause in der Tjäktja-SFT-Hütte, um etwas wames zu essen. Wasser gibt es im Überfluss und die Öfen werden entweder mit Holz beheizt oder wie in fast allen Hütten mit Gas. Es gibt eigentlich nie Elektrizität in den Hütten, außer an der STF Hütte am Kebnekaise in der Fjällstation. Dort hat man Handyempfang und wenn nötig WiFi. Das brauchen und vermissen wir auf der ganzen Reise nicht. Ich bin ein aktiver Social-Meda-Nutzer, aber vermissen tue ich es nicht. Dennoch ist jede Hütte mit einem Satellitentelefon ausgestattet, falls man in eine Notsituation kommt.

Wir erkundigen uns nach dem Wetter. Der Bericht versprich in den nächsten Stunden Besserung. Nach zwei Stunden des Aufwärmens kämpfen wir uns weiter. Der Weg wird die letzten 5km echt anstrengend. Riesige Steinflächen verlangen immens viel Konzentration ab und das ermüdet schnell.  Wir können uns keinen Fehltritt & eine mögliche Verletzung erlauben. Wir erreichen die höchste Stelle von 1.150m. Man legt ab der Tjäktja-Hütte 4 Kilometer  mit einer Steigung von 5% zurück. Danach geht es relativ steil bergab ins Tal. Die Flüsse ziehen sich zwischen reifschnee bedeckten Bergen durch das Tal hindurch.  Es sieht aus wie ein komplexes Adersystem. Und wieder diese Farben, die intensiver werden. Gegen 18 Uhr bauen wir unser Zelt 200m vom Weg entfernt auf, ohne das es regnet.  Ich verfolge wie sich die Wolken an den Bergen anstauen und über uns hin und wieder eine Lücke mit blauen Himmel ist. Die Hoffnung auf Polarlichter keimt in uns auf. Ich stelle den Armbanduhrwecker auf 22 Uhr. Wir sind so erschöpft, dass wir, als die Zeigernadel die 10 berührt, kein Signal wahrnehmen. Ich wache gegen 00:30 Uhr auf, mache das Zelt auf und da sind sie, die heißersehnten Polarlichter. Ich mache Sarah wach, zücke meine Kamera und mache Fotos, solange sie noch zu sehen sind. Polarlichter erlischen so schnell wie sie gekommen sind. Der Himmel bewölkt sich und nach 15 Minuten ist Schluss. Keine Sterne, keine Polarlichter. Nur noch der Mond, der durch vereinzelte Lücken scheint. Ich verziehe mich schnell in meinen Schlafsack. Es ist bitterkalt draußen. Ich schlafe tief und fest.

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